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Dienstag, 02. Juni 2015 21:09

Eine Orientierung zu jüdisch-messianischen Gruppen und der Kirchentagsentscheidung Juni2015

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Aus aktuellem Anlass - Eine Orientierung zu jüdisch-messianischen Gruppen und der Kirchentagsentscheidung

wer was glauben messianische JudenBereits letztes Jahr gab es im Vorfeld des Kirchentages einige Aufregung wegen der angestrebten aktiven Teilnahme von jüd.-messianischen Gruppierungen z.B. am Markt der Möglichkeiten. Anlass war die Entscheidung des Präsidiums des Kirchentags, Gruppierungen dieser Richtung von der aktiven Programmgestaltung auszuschließen. Der Vorwurf im Kern und die Begründung dafür lag und liegt in dem judenmissionarischen Ansatz dieser Gruppen. Dieses wurde nun auch in einem Interview mit zwei Vertreterinnen des Präsidiums nochmals bestätigt, was ein weiteres Echo in idea nach sich zog.

Daraufhin häuften sich auch bei uns, JadBJad, die Nachfragen, da wir uns ja in unserer Arbeit neben dem Thema Erinnerungskultur, mit der jüdischen Wurzel beschäftigen und aktiv dazu Veranstaltungen organisieren.

Grund genug für einen Artikel, mit dem wir zur Klarheit beitragen wollen. Denn für eine Diskussion sind einige grundsätzliche Informationen notwendig.

Auch das jüdisch-messianische Lager ist gemischt

In der breiten Öffentlichkeit ist es nämlich wenig bekannt, dass es auch innerhalb jüdisch-messianischer Gruppierungen große Unterschiede gibt. Diese wollen wir kurz vorstellen und dann die daraus resultierenden Fragen beleuchten.

Die bekanntesten und meisten Vertreter von jüdisch- messianischen Organisationen in Deutschland sind zwar, wie in dem Interview auch genannt, nicht formal der Institution Kirche zuzurechnen, teilen aber sehr wohl einen großen und entscheidenden Teil der Theologie. Somit sind sie auch in der Öffentlichkeit bekannter. Dies ist aber nur eine Richtung in der jüdisch-messianischen Bewegung.

Traditionell-konservativ – die Suche nach der jüdischen Wurzel

Die konservative Richtung unter den messianischen Juden und Nachfolgern von Jeschua HaMelech HaMaschiach – Jesus Christus – nennt sich KLAL EMUNIM – Gemeinschaft der Treuen (oder Gläubigen). Der Hauptrepräsentant in Deutschland ist der Dienst Schuwa LaSchoresch – Zurück zu den Wurzeln, begründet von Baruch ben Mordechai, Berlin. Er ist maßgeblich verantwortlich für die Erarbeitung und Verbreitung der konservativen jüdisch-messianischen Theologie (Schuwa LaSchoresch zurück zu den Wurzeln).

Der entscheidende Punkt dieser Bewegung ist, dass ihre Glaubensgrundsätze identisch mit denen des Gesamtjudentums sind, die in den 13 Glaubensgrundsätzen des Maimonides zusammengefasst sind, mit der Maßgabe, dass der erwartete Messias eben Jeschua ben Joseph ben David aus Nazareth ist.

Auch ist diese Richtung überzeugt, dass Jeschua – der jüdische Name für Jesus - den Neuen Bund begründete und damit einen neuen Weg zur Leben- und Gebetsgemeinschaft zwischen Israel und den Völkern eröffnete. Damit sind die Gläubigen aus den Völkern mit hineingenommen in Israel und verpflichtet die Gebote der Thora einzuhalten, allerdings nach der Maßgabe von Apg. 15.

Nach dieser grundlegenden Übersicht über die beiden Hauptrichtungen, schließt sich für den Leser an dieser Stelle dann auch berechtigterweise die Frage nach Mission gemäß dem Missionsbefehl an. Denn dies ist ja ein Kernpunkt der Kontroverse.

Keine Judenmission – das konservatives Messianisches Judentum – KLAL EMUNIM - lehnt die Mission unter den Juden ab

Die konservativen Richtungen lehnen die Mission und die Evangelisation ab, die den Menschen suggeriert, dass einzig der Glaube an Jesus zum ewigen Leben führt. Insbesondere halten sie die Mission unter den Juden mit diesen Vorzeichen als schädlich für die Verständigung zwischen den Gläubigen der jüdischen und der christlichen Religion. Zugleich sehen sie es als das gute Recht eines jeden Menschen, seine Glaubensüberzeugungen öffentlich zu verkünden und dies sollte kein Hindernis für einen Dialog sein.

Genau dies ist ja auch die Leitlinie von JadBJad, neben der wichtigen Erinnerung an die dt. Geschichte, in Veranstaltungsserien und Seminaren überhaupt einen öffentlichen Raum für das gegenseitige Kennenlernen von Inhalten grade aus dem Judentum in Freiheit zu bieten.

Auch wenn es natürlich nicht möglich ist eine fundierte Aussage über alle anderen messianischen Gruppierungen zu treffen erscheint es, dass bei den in Deutschland vertretenen anderen Gruppen, Missionierung von Juden ein erklärtes Ziel ist. Es wird also deutlich, wie wichtig die genaue Betrachtung einer in Deutschland recht jungen Bewegung ist.

Zur Entscheidung der Kirchentagsorganisatoren – Dialog und Podiumsdiskussion

Aus diesem Grund ist es natürlich in unseren Augen stimmig, wenn das Präsidium des Kirchentages hier die klare Linie vertritt, die den Maßgaben und der Vereinbarung mit der jüdischen Seite (dem traditionellen Judentum) entspricht.
Die von anderen Vertretern geäußerte Empfindung der bewussten Ausgrenzung durch die Entscheidung ist also aus Sicht des Autors nicht nachzuvollziehen. Insbesondere deswegen nicht, weil man bei einer offenen „Einladung", alle Richtungen gleich behandeln müsste. Zudem hat man zeitgleich von Seiten der Organisatoren des Kirchentags sehr wohl den Raum für einen Dialog mit einer eigenen Veranstaltung geöffnet. Dies begrüßen wir sehr, obwohl die Einbindung eines breiteren Spektrums des messianischen Judentums in unseren Augen noch besser gewesen wäre.

Aber die Podiumsdiskussion am 05.06.2015 in Stuttgart mit dem Titel „Was heißt: Messianisches Judentum?" ist ein Anfang. Wir werden nach Möglichkeit gerne teilnehmen und sind bereits auf die Inhalte und Gespräche gespannt.

Dialog ist gut – aber Weiterdenken über die jüdische-christliche Verbindung ist notwendig.

Allerdings kann das Thema nicht bei einer reinen Definitionsfrage stehen bleiben. Denn es gibt bei der Auslotung der gemeinsamen Wurzeln des Christen- und Judentums eine ganze Reihe von Fragen. Diese betreffen eben nicht nur die unterschiedlichen jüdisch-messianische Richtungen untereinander und ihre Haltung zum traditionellen Judentum.

Diese Fragen betreffen ebenso die Kirche oder Organisationen wie Towards a Second Jerusalem Council (TJCII), da ja grade für diese vielen Aussagen des Neuen Testamentes Entscheidungen in beide Richtungen abverlangen.

Als dritter Punkt sei noch erlaubt auch auf dem hochaktuellen Bezug für unsere Gesellschaft und bis in ihre Grundordnung hinein, hinzuweisen. Denn grade in Debatten um politische Richtungsentscheidungen in jüngster Zeit, beruft man sich oft auf die gemeinsamen Werte des jüdisch-christlichen Abendlandes, um nur ein Beispiel zu nennen. Also sollte dieser Begriff nicht der Politik alleine überlassen werden.

Wir haben Fragen – die jüdisch messianische Bewegung stellt die Konsequenzen dass Jesus Jude war erneut in das Bewusstsein

Doch bleiben wir vorerst im Bereich der theologischen Fragen, die sich rund um die Kirchentagsteilnahmedebatte ergeben. So wurde zum Beispiel in dem Interview festgestellt. „Die Verheißungen G-ttes bleiben Israel erhalten und damit auch die Zusage des Heils."

Welchen Gewinn haben also die Gläubigen von den Juden, wenn Sie Jeschua als den Gesandten G-ttes annehmen und ihm im neuen Bund nachfolgen?
Dazu ist folgendes aufschlussreiche Statement, von Herr Ben Mordechai zu zitieren, um die Sicht von der (konservativen) jüdisch - messianischen Seite aufzuzeigen: „Man könnte argumentieren, dass wenn der Sanhedrin Jeschuas Sendung akzeptiert hätte, ganz Israel verpflichtet wäre, diese Entscheidung zu akzeptieren und zu respektieren. Da aber der Sanhedrin entschieden hat, dass Jeschua nicht der erwartete Sohn Davids ist, besteht auch keine Pflicht, ihm zu folgen. Also ist die Thora Mosches und ihre Gebote für die Annahme zuvorderst verantwortlich."

Diese Frage und Aussage ist schon an und für sich sehr bedeutsam. Wenden wir uns aber nun der nicht-jüdischen Seite zu, die uns in Deutschland natürlich viel näher ist. Dazu zitiert der Autor wieder Herr Ben Mordeachai: „Welches Gesetz gebietet den Völkern Jeschua als den Gesandten G-ttes anzunehmen? Gibt es für die Völker keine Heilsverheißung im Bund mit Noach?"

Daran schließt sich natürlich sofort zwei weitere Überlegungen an:
Was ist das Prä des neuen Bundes?
Was ist dann Einheit in Glaube und Erkenntnis?

Dies ist wie dem Leser klar wird, natürlich eine ganz neue theologische Ebene einer alten Debatte, um Erwählung und Heilsweg.

Hier ist sicher noch viel, sehr interessante, Arbeit notwendig, weit über die Einordnung einer Richtung hinaus.

Abschließend bleibt zu sagen, dass dieser Artikel hoffentlich für eine erste Orientierung zu dieser neuen Fragestellung beiträgt, er Klarheit schafft und den Gesprächsbedarfs und den einer gemeinsamen (theologischen) Diskussion aufzeigt.
Ein weiterer Schritt dorthin wird dankenswerterweise am Kirchtag erfolgen. Vielleicht ergibt sich bereits dort ein Gespräch.

Interessenten sind ansonsten herzlich eingeladen, sich ungezwungen bei unseren Veranstaltungen zum Kennenlernen der Zusammenhänge von Judentum und Neuem Testament ungezwungen zu informieren.

 


 

kommende Veranstaltungen:

Kulturschabbat und offener Erev Schabbat - geplant Juli 2015

vergangene Veranstaltungen:

"Seminar zu Schawuot mit Jesus - das Geheimnis von Pfingsten - München 17.05.2015

"offener Erev Schabbat mit Jeschua - Karlsfeld 15.05.2015

Gedenkveranstaltung zu Yom Hazikaron 2015 im KZ Dachau

"Pessachfeier mit Jesus/Jeschua 2015/5775" - München 10.04.2015

"Seminar zu Pessach - dem jüdischen Osterfest" - München 29.03.2015

"Tu BiSchwat feiern mit Jesus" - München 08.02.2015 

"Schabbat feiern mit Jesus" - Berlin 30.01.2015

"Die Göttlichkeit Jesu aus jüdischer Sicht" - München 18.01.2015

Gelesen 2434 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 03. Juni 2015 07:34

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